High speed versus slow motion

Schon lange bin ich nicht mehr zum Schreiben gekommen, was daran liegt, dass ich diesen Blog morgens zwischen 5.00 Uhr und 6.30 Uhr verfasse und gerade einfach nicht rechtzeitig wach werde.
Frühjahrszeit – Anlageprüfungszeit für alle kleinen Jagdhunde und somit viel zu tun, da beste Anlagen alleine bei der Konkurrenz heutzutage nicht mehr ausreichen.
Die Retriever sind ebenfalls sehr fleißig! Strategiepläne sind geschmiedet und die Umsetzung folgt.
Also üben wir viel, verbringen unsere Tage im Feld und erleben wunderbare Begebenheiten.
Emilia ist ein kleiner, rabenschwarzer Querfeldein Labrador von unserem Freund Wilhelm.
Sie ist nun etwas über ein Jahr und auf einem wirklich sehr vernünftigen Ausbildungsstand.
Sie zeigt eine gute Performance, ist Zuverlässigkeit und SCHNELL… SEHR SCHNELL!
Emilia hat eine sechsjährige Labrador „Schwester“. Kira stammt aus dem Tierschutz, kam als Welpe zu Wilhelm und arbeitet wirklich vernünftig aber anders.
Schon bald mussten wir Wilhelm, den das Fieber der Retrieverarbeit voll erwischt hatte, raten sich einen Labrador aus einer Leistungszucht zuzulegen, da Kira seinem entflammten Ehrgeiz nicht entsprechen wollte. Um es verständlich auszudrücken: ein guter Mistbollen auf dem Feld hatte für Kira stets Priorität und auch die ausgeklügelte Hundeausbildung hat Grenzen. Auf Sanktionen reagiert Kira beleidigt.
Also kam der Wirbelwind ins Haus! Natürlich, wie es sich für einen guten Retrieverhalter gehört, darf nicht einmal der Hauch einer Ungerechtigkeit entstehen. Wilhelm trainiert also weiter mit beiden Hunden, was trainingstechnisch sehr gut ist, da immer ein Hund das Warten lernt.
Kira, die ältere hat das Recht der Erstgeborenen und beginnt:

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Gemütlich schlendern sie an den Start. Die gemeinsamen Jahre haben Wilhelm an Kiras Tempo angepasst. Kira ist ein freundlicher Hund, bedenkt jeden anderen Hund und jeden Halter im Vorbeigehen mit einem Schwanzwedler.
Am Ausgangspunkt wirft Kira noch einen Blick in die Runde während sie sich gemütlich setzt. Wilhelm kann derweil noch den ein oder anderen Kommentar der Gruppe parieren.
Kira kommt in die Konzentration, die Nase wird aufgeworfen, der Wind trägt ihr zu, wo die essbaren Dinge liegen oder ob sie es mit einem kargen Feld und nur einem angesabberten Dummy zu tun hat.
Auf Kommando macht sie sich freudig auf den Weg, sie hüpft sogar ein bisschen, auf halber Strecke verändert sie die Gangart – was jedoch keine Auswirkungen auf die Geschwindigkeit hat.
Wilhelm hat die bereitgehaltene Pfeife derzeit schon wieder ausgespuckt, die Gefahr, dass diese an den Lippen festklebt ist zu groß.
Am Dummy, nimmt sie auf, hält kurz inne, sortiert ihre Gedanken, wartet auf Wilhelms Pfiff und macht sich munter, ohne Eile auf den Rückweg. Sie kommt ohne Umwege, direkt zu Wilhelm zurückgeschlendert.
Dieser konnte zwischenzeitlich schon vier mal jede Tasche der Dummyweste nach dem Bestätigungsball und den Leckerlis durchsuchen und sich locker unterhalten.
Sehr entspannt das Ganze!

Emilia läuft mit angezogener Handbremse zum Start und zeigt das auch. Volle Konzentration… nun kann das Zucken der Augenbrauen entscheidend sein. Während Wilhelm um seine Körperspannung bemüht ist registriert Emilia bereits das Ziel. Sie weiß was kommt und könnte das zur Not auch ohne diesen Bremsklotz an ihrer Seite.
Sie sitzt mit gespannten Sprungfedern im Popo und den Oberschenkeln, während Wilhelm seine Gedanken sortiert, seinen Blick nur sehr vorsichtig die Umgebung analysiert und er inständig hofft nicht noch einmal die Position verändern zu müssen. Nun bloß keine schnelle, unbedachte Bewegung, ein Räuspern oder zu frühes Entspannen.
Körperhaltung, seine Hand gelangt in Emilias Blickfeld, das Kommando fällt und Emilia schießt flach und pfeilschnell nach vorne. Das Dummy nimmt sie fast im Flug in der Drehung auf, die starken Pfoten wirbeln den Boden auf und kleine Steinchen treffen die Zuschauer am Rand.

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Position – Pfiff – Bestätigung – alles muss zeitnah bereit sein!
Ganz zum Abschluss fliegt sie in seine Arme, immer noch den Wahnsinn im Blick, der sagt:
“Ich will mehr!“
Kira liegt derzeit an ihrem Platz und untersucht das Erdreich nach den guten Proteinen und denkt: „Wie gut das ich mitgekommen bin, sonst würden die überschnappen!“


3 Gedanken zu “High speed versus slow motion

  1. Liebe Julia, vielen Dank für diesen schönen und ach so treffenden Bericht. Und Emilia ist manchmal wirklich fast zu schnell für mich. Danke , das Ihr mir zu diesem Schritt geraten habt. Die Arbeit mit Emilia bereichert meine Freizeit sehr, wenn es immer wieder auch mal anstrengend ist. Danke auch für Eure große Geduld mit uns Beiden und für die vielen Stunden in denen Ihr Emilia und mich Schritt für Schritt dem Ziel näher bringt. Das macht richtig Freude!!! Vielen, vielen Dank! Ihr seid Super!

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  2. Super toll geschrieben! Ich habe derzeit eine Kira an meiner Seite. Wir sind glücklich – auch wenn sie mal Blümchen anguckt, dabei aber genau weiss, wo der Dummy liegt. Ich liebe sie über alles…. aber manchmal wünsche ich mir dazu eine Emilia. Alles wird gut!

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