To retrieve…what else?!

Tja, wenn es so einfach wäre, gäbe es noch weniger freie Plätze für Working Tests und jagdliche Prüfungen. Glücklich wer einen bringfreudigen Hund hat, welcher ohne große Mühen verstanden hat, dass es ein riesengroßer Spaß ist Frauchen oder Herrchen die gefundenen Dummies abzuliefern.

Was aber kann ich tun, wenn mein Retriever ebenfalls freudig zum Dummy läuft, es aufnimmt, wild in der Gegend herumschleudert, markieren geht oder knurrend seinen Besitz verteidigt. Dabei wäre dies noch eine Situation mit der man arbeiten kann.
Aber nimmt der Hund gar nicht erst auf breitet sich Hilflosigkeit aus, leider oft bei Halter und Trainer.
Ersteres Szenario wird oft starken Rüden zugeschrieben, zweites lassen sich gerne die vermeintlich „einfacheren“ Hündinnen einfallen.
Beide Geschlechter spielen auch gerne eine Weile mit, bringen zwei – drei Dummies fast tadellos um dann, wenn beim Halter gerade Hoffnung aufflammt, zu fragen:

“Ja bin ich denn der Laufbursche?“

Gemein ist, wenn man nach Jahren und Erfolgen mit einem willigen, führigen Hund an so einen bockigen, alles in Frage stellenden Hund kommt.
Dummyarbeit und gemeinsame Jagd sind Teamarbeit. Teamarbeit bedeutet, dass jeder Beteiligte seine Aufgabe kennt und bereit ist diese nach seinen Fähigkeiten auszuführen.
Mit den notwendigen Fähigkeiten ausgestattet zu sein bedeutet aber noch lange nicht, dass derjenige diese selbstverständlich zur Verfügung stellt. Wenn ich ein Retriever wäre und das Wasser liebe, möchte ich vielleicht lieber stundenlang umher schwimmen und schauen was das Wasser mir so bietet, als die kalte Übungsente zügig zu apportieren.
Oder laufen auf dem Feld, ich würde das Dummy schon bringen, ich weiß ja wo es liegt, nachdem ich mich etwas nach echtem Wild umgeschaut habe. Klar würde mir die mitgebrachte Lachspaste als Belohnung auch gut schmecken doch manchmal schmeckt die Freiheit noch ein bisschen besser.

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Es braucht also mehr als „billige Tricks“ um einem Hund, leider auch um einem Retriever, die Teamarbeit schmackhaft zu machen. Die abgedroschene Bemerkung Job ist Job, ist auch Bestandteil des Hundealltags. Aber wie viele von uns aus eigener Joberfahrung wissen kann ein guter Job richtig viel Freude machen. Am meisten Spaß bringt uns der Job dem wir gewachsen sind, den wir gelernt haben und neue Herausforderungen uns faszinieren statt blockieren.

Immer häufiger begegne ich Mensch- Hund- Paaren, die sich fragend gegenüberstehen.
Der Hund weiß nicht WAS von ihm eigentlich verlangt wird und der Mensch nicht WIE er es seinem Hund vermitteln soll.
In der Dummyarbeit erfolgreiche Teams sind „ernsthaft motiviert“! Ihre Arbeitseinstellung unterscheidet sich schon im Trainingsaufbau. In kleinen Trainingsschritten und gut unterteilten Aufgabensequenzen bleibt der Hund kontrollierbar und kleine Abweichungen können direkt korrigiert werden. Das liest sich vielleicht etwas unlustig bringt dem Halter aber ebenso die Möglichkeit zum schnellen Bestätigen. Dies wiederum gibt dem Hund Sicherheit durch Verständnis. Hat der Hund seine Aufgaben verstanden, muss ich ihn nur noch von deren Wichtigkeit überzeugen.

Erfolgreiche Hundeführer lassen nicht mit sich „verhandeln“. Sie führen ihren Hund unmissverständlich und hochkonzentriert. Ihnen entgeht keine Kleinigkeit, sich einschleichende Veränderungen der Arbeitsweise werden registriert und angegangen.
Ein zu früher Start wird niemals großzügig toleriert nur weil man sich freut, dass das Dummy einem endlich direkt zugetragen wird.
Es empfiehlt sich allerdings das „neu aufkommende Problem“ zunächst in den „Hinterkopf“ zu verlagern, den geplanten Trainingsablauf beizubehalten, um später den korrekten Start separat wieder aufzuarbeiten.
Es ist natürlich verständlich, dass man seinen Retriever weit laufen sehen möchte und man sich sehr freut wenn dieser einem die Dummys oder Enten aus den schwierigsten Bedingungen apportiert. So manches Naturtalent bereitet einem die Freude ja auch, doch für alle anderen ist Hundeausbildung liebevolle, mühevolle Kleinarbeit.
Kondition und Konzentration wachsen in kleinen Schritten, Aufgaben werden nach kleinteiligem Erlernen zum großen Ganzen zusammengefügt.

Mit dem nahendem Frühjahr im Blick werde ich mich verstärkt dem Thema Ausbildung widmen, damit ist klar:

To retrieve…what else?!


4 Gedanken zu “To retrieve…what else?!

  1. Liebe Julia,
    wie überaus treffend doch Dein Artikel wieder ist. Gerade vorhin haben wir uns wieder die Zähne am Haltetraining ausgebissen! Aber wir bleiben dran, denn wann – wenn nicht jetzt!
    Liebe Grüße
    Bettina und Lennox

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  2. Du hast den Alltag in der Hundeausbildung wieder sehr treffend beschrieben. Ich habe fast den Eindruck , das Emilia und ich auch Anlass für den einen oder anderen Gedanken waren😊😊. Aber wie im richtigen Leben: ohne Fleiß , kein Preis. Mit viel Einsatz , viel Training , Geduld , Konsequenz und natürlich Eurer geduldigen und nimmermüden Unterstützung erreichen wir letztendlich doch die Ergebnisse, die wir uns so wünschen. Und die uns dann glücklich und einem Freudentränchen nahe, auf dem Feld stehen lassen, unserem Hund entgegenschauend, wie er freudig von seiner Aufgabe zurück kommt. Diese Momente entschädigen dann für Alles.

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