Apportieren, die Königsdisziplin – Teil 2

In meiner kleinen Serie zum zuverlässigen Apportieren möchte ich mich nun der Unterscheidung von Spielen und Apportieren widmen.

Jagdlich bedeutet Apportieren, dass der Hund beschossenes Feder- und Haarwild zuverlässig zu seinem Jäger zurück bringt.
Bei Field Trails, Working Tests und bei der Dummyarbeit der Retriever muss der Hund Dummys apportieren.

Diese Aufgabenbereiche haben nicht das Geringste mit Spielen zu tun.

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Lern- wie Verhaltensbiologisch apportiert der Hund aus dem Beutetrieb und nicht aus dem Spieltrieb heraus.
Selbst Hunde, die „von sich aus“ Stöckchen „spielen“ oder Ball verrückte Terrier zeigen ein stark ausgeprägtes Beuteverhalten, dass aber leider oft als „spielen wollen“ interpretiert wird.
Kluge Hunde begreifen einfach schnell, dass ihr bereitwilliges „Beute abgeben“ den Spielspass fördert, weil Herrchen auch Spass hat und die Spieldauer so bis ins unendliche ausgedehnt wird.

Die klugen Gesellen sind wahre Meister der Konditionierung und verfolgen hartnäckig ihre Ziele.
Ihre Methode ist nicht ihren Menschen zu motivieren sondern eine beharrliche Hartnäckigkeit verbunden mit Aufdringlichkeit.
„Balli verrückte“ Terrier können eine wahre Plage sein und die anfängliche Freude des Menschen über das tolle Spiel wird zur nervtötenden Angelegenheit, wenn der Hund ständig kläffend um einen herumspringt und seinen Ball oder Frisbee einfordert.

Das für den Hund sein „Spielobjekt“ Beute bedeutet zeigt sich besonders gut sobald Artgenossen dazukommen. Schnell wird aus „Spiel“ Ernst und der Hund würde alles zur Verteidigung seiner Beute tun.
Natürlich gibt es auch Hunde, die weniger motiviert sind ihre Beute zu verteidigen und diese bereitwillig abgeben.
Die machen lieber „ihr eigenes Ding“ und so können Herrchen und Frauchen das geworfene Dummy in der hohen Wiese selber suchen oder dem im Wasser davon treibenden Dummy hinterher winken.

Nun ergibt sich für mich daraus, dass ein spielerischer Aufbau des Apportierens schnell an seine Grenzen stößt, da der Hund damit im Unklaren gelassen wird.
Ein spielerisch eingearbeiteter Hund denkt er spielt und wird dafür ja auch bestätigt.
Man spielt solange bis man keine Lust mehr hat oder einem etwas besseres begegnet.

Für mich sind Hunde auch nicht lebenslänglich „Spielkinder“! Ich liebe Hunde die eine ernsthafte Ausstrahlung besitzen und mit Würde uns ihre fantastischen Fähigkeiten zeigen.

Wenn ich einen zuverlässigen Jagdbegleiter oder einen Partner für die Retrieverarbeit möchte, ist der Hund bereit mir diese Ansprüche zu erfüllen. Er bringt alle Grundvoraussetzungen dafür mit und stellt sie liebend gerne seinem Menschen zur Verfügung. Er bleibt dabei immer bei sich und wird auch die Bereitschaft seines Menschen hinterfragen.

Er muss vernünftig angeleitet werden. Der Mensch sollte sich Gedanken über Aufbau, Struktur, Zeitrahmen und Einarbeitung der Hundeausbildung machen. Nur so versteht der Hund den Unterschied zwischen sinnvollen Aufgaben und sinnfreiem Spiel.

Der Mensch muss sich fragen, ob er einen Hund aus jagdlicher Leistungszucht braucht, wenn er eigentlich nur spielen möchte.

Es ist Zeit über die Würde des Hundes nachzudenken. Hunde besitzen wunderbare Fähigkeiten und können so viel mehr als spielerisch an einem Zahn ein Dummy aus dem Wald holen und es lustlos für ein Leckerli seinem Menschen vor die Füße zu werfen.

Wir Menschen sollten uns überlegen wie sehr uns gerade die nicht einfach erworbenen Fähigkeiten mit Stolz, Glück und Freude erfüllen!

Dem Hund als soziales Wesen geht es genau so.

Und deshalb widmen wir uns im dritten Teil der Serie dem zuverlässigen Aufbau des Apportierens.


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